Karlheinz Stockhausen
Karlheinz Stockhausen
Karlheinz Stockhausen ist der bedeutendste deutsche Komponist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit dem US-Amerikaner John Cage gilt er als der große Erneuerer der Musik aus dem Geiste des Experiments.
Karlheinz Stockhausen erblickte das Licht der Welt am 22. August 1928 in Mödrath bei Köln. Der Vater, ein Volksschullehrer, fiel als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Die wohl depressiv veranlagte Mutter wurde 1941 ein Opfer der Krankenmorde seitens der Nazis. Stockhausen wuchs in schwierigen, ärmlichen und katholisch geprägten Verhältnissen auf.
Der junge Mann wurde Schüler des Schweizer Zwölftonkomponisten Frank Martin und des französischen Avantgardisten Olivier Messiaen. Stockhausen verblüffte Zuhörer und Fachwelt früh mit radikalen Tonexperimenten und Spielanweisungen. Er lotete die Spielräume und kreativen Möglichkeiten der elektronischen Musik aus. „Alle Klänge und Geräusche sind Musik“, hieß sein radikales Credo.
In rascher Folge entstanden große Musikcollagen, darunter die Stücke „Gesang der Jünglinge im Feuerofen“ (1959), „Kontakte“ (1960), „Mikrophonie I/II (1964/65), „Hymen“ (1967) und „Kurzwellen“ im Jahr darauf. Von 1953 und 1998 kooperierte der Komponist eng mit dem legendären Studio für Elektronische Musik am Westdeutschen Rundfunk (WDR), dessen zeitweiliger Leiter er auch war.
Als das Hauptwerk von Karlheinz Stockhausen gilt sein 1977 begonnener und 2005 beendeter „Licht“-Zyklus, sieben als Gesamtkunstwerke konzipierte Opern voller Theatralik und kosmischem Schwärmen, die der Schöpfungsgeschichte nachempfunden waren.
In mehr als 280 eigenständig aufführbaren Werken und mehr als 100 unterschiedlichen Schallplatteneinspielungen hat Stockhausen die menschlichen Hörgewohnheiten auf den Kopf gestellt.
Der rastlose Erforscher des kosmischen Klanges beendete noch an seinem Todestag, der 5. Dezember 2007, den musikalischen Auftrag, ein neues Werk für das Mozart-Orchester im italienischen Bologna zu komponieren.
Der Komponist, der keine Grenzen kannte, hat viele Musiker der Rock- und Popwelt beeinflusst, darunter auch John Lennon, Frank Zappa, Brian Wilson, David Bowie und Pink Floyd. Die Musiker Irmin Schmidt und Holger Czukay von der legendären Kölner Krautrockband Can waren sogar Schüler von Stockhausen.